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ARGUS · Technik im Detail

Jede Lage lässt sich zu jedem früheren Zeitpunkt wieder aufrufen.

Wie ARGUS eine Lage zu einem Stichtag und zu dem Wissensstand eines Zeitpunkts wiederherstellt, zwei Stände vergleicht und Korrekturen als Nachträge zeigt.

Eine Entscheidung wird auf dem Stand getroffen, den es damals gab. Wer sie später prüft, braucht genau diesen Stand und nicht den von heute. ARGUS führt darum zwei Zeiten: wann etwas galt und wann es bekannt war. Aus beiden lässt sich jede Lage wiederherstellen, ohne dass ein Stand je überschrieben wurde. So ist die Zeitachse angelegt.

Diese Seite beschreibt die Bauweise des Systems. Gebaut sind der Prototyp von Freigabe und Protokoll und der Demonstrator von KALKÜL; den ganzen Stand finden Sie unter Was heute steht.

Auf dieser Seite
  1. 01Zwei Fragen an die Zeit
  2. 02Wiederherstellen ohne Kopien
  3. 03Vergleichen und Verlauf
  4. 04Korrekturen und Nachträge
  5. 05Rechte, Löschung und Aufbewahrung
  6. 06Eckdaten
  7. 07Weiter

Zwei Fragen an die Zeit

Eine Lage hängt von zwei Zeiten ab. Der Stichtag s fragt, was in der Welt galt: Welche Objekte, welche Beziehungen, welche Gruppen gab es zu diesem Zeitpunkt? Der Wissensstand k fragt, was das System wusste: Welche Meldungen waren bis zu diesem Zeitpunkt eingegangen, welche Korrekturen schon gebucht? Die Lage L(s, k) beantwortet beides zugleich.

Beide Zeiten brauchen verschiedene Antworten. Wer prüft, was am Stichtag hätte bekannt sein können, wählt k kurz nach s. Wer wissen will, wie die Vergangenheit nach heutigem Wissen aussah, wählt k jetzt. Die Unterscheidung heißt bitemporale Modellierung; SQL:2011 kennt die beiden Achsen als Anwendungszeit und Systemzeit.

Erst beide Zeiten zusammen machen eine Entscheidung nachvollziehbar. Eine Vorlage trägt den Wissensstand, auf dem sie erstellt wurde, und so lässt sich später dieselbe Lage wieder aufrufen, auch wenn Meldungen inzwischen nachgeliefert oder korrigiert wurden.

Dieselbe Lage, später wieder aufgerufen

Ereignisse aus drei Quellen, zu zwei Zeitpunkten eingegangen. Ein Nachtrag trifft später ein und gehört zur früheren Gruppe. Das Fenster ruft den Stand zu einem Stichtag auf, alles andere tritt zurück.

Zeitachse in ARGUS: Ereignisse zu zwei Zeitpunkten, ein Nachtrag, ein Stichtag als FensterEreignisse aus drei Quellen, zu zwei Zeitpunkten eingegangen. Ein Nachtrag trifft später ein und gehört zur früheren Gruppe. Das Fenster ruft den Stand zu einem Stichtag auf, alles andere tritt zurück.NACHTRAGSTICHTAGOBJEKTOBJEKTLEITTECHNIKSENSORIKDOKUMENTE
  • Quellen: Leittechnik, Sensorik, Dokumente.
  • Zone: Nachtrag.
  • Fenster: Stichtag.
  • Objekt: Objekt.
  • Objekt: Objekt.
LAGE · OHNE ORT

Wiederherstellen ohne Kopien

ARGUS legt keine Kopie der Lage zu jedem Zeitpunkt an. Die Lage ist eine Funktion: Sie entsteht aus den Ereignissen bis k, den Aussagen der Ontologie mit ihren Zeitintervallen und den Regeln der Verdichtung. Eine Abfrage mit Stichtag und Wissensstand filtert die Aussagen, deren Gültigkeit s einschließt und deren Erfassung k einschließt, und rechnet die Lage daraus.

Damit das Ergebnis dasselbe ist wie damals, gehören die Regeln der Verdichtung in die Rechnung: Radius, Zeitfenster und Mindestzahl, mit der Version, die zu k galt. Eine Lage, die mit anderen Parametern neu gerechnet würde, wäre eine andere. Die Version der Regeln steht darum in jeder Lage und in jeder Vorlage, die auf ihr beruht.

Für häufig aufgerufene Zeitpunkte, etwa den Stand zu einer Entscheidung, hält ARGUS das berechnete Ergebnis mit einem SHA-256-Prüfwert vor. Stimmt der Prüfwert nach einer erneuten Rechnung nicht, ist das ein Befund und kein Rundungsfehler: Entweder haben sich die Eingaben oder die Regeln geändert.

Lage als Funktion

Oben die beiden Fragen, Stichtag und Wissensstand. Darunter der Stand aus Ereignissen, Aussagen mit Intervallen und der Version der Verdichtung. Unten die Lage, die daraus folgt.

Wiederherstellen in ARGUS im Schnitt: Frage, Stand, LageOben die beiden Fragen, Stichtag und Wissensstand. Darunter der Stand aus Ereignissen, Aussagen mit Intervallen und der Version der Verdichtung. Unten die Lage, die daraus folgt.FrageZWEI ZEITENSTICHTAGWISSENSSTANDStandBIS ZUM WISSENSSTANDEREIGNISAUSSAGEVERSIONLageBERECHNETOBJEKTBEZIEHUNGFILTERT UND RECHNET
  • Frage (zwei Zeiten): Stichtag, Wissensstand.
  • Stand (bis zum Wissensstand): Ereignis, Aussage, Version.
  • Lage (berechnet): Objekt, Beziehung.
  • filtert und rechnet: fließt von frage nach lage.
SCHNITT VON VORN

Vergleichen und Verlauf

Zwei Zeitpunkte lassen sich nebeneinanderlegen. Der Vergleich nennt Objekte, die hinzugekommen oder weggefallen sind, Eigenschaften, die sich geändert haben, Beziehungen, die neu sind, und Gruppen, die gewachsen, zerfallen oder zusammengewachsen sind. Er zeigt auch, was sich zwischen zwei Wissensständen für denselben Stichtag geändert hat, also was später bekannt wurde.

Der Verlauf eines Objekts ist die Folge seiner Aussagen mit beiden Zeiten. Eine Wiedergabe der Lage über einen Zeitraum springt nicht in festem Takt, sondern von Änderung zu Änderung: Jeder Schritt ist ein Ereignis, das die Lage verändert, und lässt sich anhalten, zurückspulen und mit der zugehörigen Meldung belegen.

Korrekturen und Nachträge

Eine Korrektur überschreibt nichts. Sie schließt die Erfassungszeit der alten Aussage und legt eine neue an. Die Lage mit dem alten Wissensstand sieht die alte Aussage weiter, die Lage mit dem neuen die neue. Ein Nachtrag, also ein Ereignis, das erst später ankommt, aber früher geschah, ordnet sich in die Vergangenheit ein und ändert nur die Lagen mit späterem Wissensstand.

Ist der Zeitpunkt eines Geschehens selbst unsicher, trägt das Ereignis ein Intervall statt eines Zeitpunkts. Die Lage zeigt es dann für alle Stichtage in diesem Intervall als möglich und nicht als gewiss. Die Unsicherheit der Zeit geht in das Vertrauen ein und wird nicht stillschweigend auf einen Wert gesetzt.

Rechte, Löschung und Aufbewahrung

Auch der Blick zurück unterliegt dem Recht. Wer eine frühere Lage aufruft, sieht davon nur, was seine Rechte und der Zweck seiner Abfrage heute erlauben; Markierungen reisen mit den Werten und gelten für jeden Stand. Die Zeitachse ist kein Weg an den Rechten vorbei.

Wird ein Wert gelöscht, weil eine Frist abläuft oder eine betroffene Person es verlangt, fehlt er in allen Ständen, auch in früheren. Gelöscht heißt hier wirklich gelöscht; im Verlauf bleibt ein Nachweis, dass und wann gelöscht wurde, ohne den Wert. Wie lange Stände aufbewahrt werden, legt die Organisation je Objekttyp nach dem Fachrecht fest. Ältere Stände liegen in verdichteter Form, die sich bei Bedarf voll herstellen lässt.

Eckdaten

Zeiten
Gültigkeitszeit (Stichtag) und Erfassungszeit (Wissensstand); bitemporal, Begriffe nach SQL:2011
Lage
L(s, k): Funktion aus Ereignissen bis k, Aussagen mit Intervallen und der Version der Verdichtung
Regeln der Verdichtung
Radius, Zeitfenster, Mindestzahl mit Version; Teil jeder Lage und jeder Vorlage
Prüfwert
SHA-256 über das berechnete Ergebnis für häufig aufgerufene Zeitpunkte
Vergleich
neue und weggefallene Objekte, geänderte Eigenschaften, neue Beziehungen, Gruppen; auch zwischen Wissensständen
Wiedergabe
von Änderung zu Änderung, nicht im festen Takt
Korrektur
schließt die Erfassungszeit der alten Aussage, überschreibt nichts
Unsichere Zeit
Intervall statt Zeitpunkt; geht in das Vertrauen ein
Löschung
wirkt in allen Ständen; Nachweis ohne den Wert

Weiter

Welche Entscheidung wird bei Ihnen im Nachhinein geprüft? An ihr rufen wir mit Ihnen die Lage auf, wie sie damals war.