Fragen vor dem Agenturvertrag: die unbequeme Liste
Welche Fragen sollte ich einer Webagentur vor Vertragsunterzeichnung stellen?
Frag vor der Unterschrift: Wem gehören Code, Design-Dateien, Domain und Hosting-Zugänge nach Projektende? Was kostet eine Änderung nach der Abnahme? Wie schnell wird bei einem Ausfall reagiert und wer haftet? Wer arbeitet tatsächlich am Projekt? Und was genau passiert, wenn die Zusammenarbeit endet? Wer auf diese fünf keine schriftliche Antwort gibt, gibt sie später auch nicht.
- 01
Klär die Eigentumsfrage schriftlich
Lass dir bestätigen, dass Quellcode, Design-Dateien und Inhalte nach Zahlung dir gehören und du sie ohne Zustimmung woanders betreiben darfst. Frag konkret nach dem Nutzungsrecht an eingekauften Bausteinen wie Themes oder Plugins. Eine Website, die du nicht mitnehmen kannst, ist eine Miete mit Kaufpreis.
- 02
Nimm Domain und Zugänge auf deinen Namen
Domain, Hosting, Analytics und Mail sollten auf deine Firma laufen, nicht auf die Agentur. Wenn die Agentur verwaltet, verlang schriftlich, dass du jederzeit Inhaber bist und den Auth-Code bekommst. Der teuerste Moment eines Projekts ist der, in dem jemand anderes deine Domain besitzt.
- 03
Lass dir den Preis für Änderungen nach Abnahme nennen
Frag nach dem Stundensatz für kleine Änderungen und danach, wie schnell so eine Änderung typischerweise umgesetzt wird. Frag auch, ob es ein Kontingent gibt und was mit ungenutzten Stunden passiert. Ohne diese Antwort ist jede Textkorrektur nach Launch eine Verhandlung.
- 04
Frag, wer wirklich arbeitet und wer haftet
Lass dir sagen, ob die Personen aus dem Pitch auch bauen oder ob extern weitervergeben wird. Frag nach Reaktionszeit bei Ausfall, nach Erreichbarkeit und nach Berufshaftpflicht. Und frag nach zwei Referenzkunden aus den letzten zwölf Monaten, die du selbst anrufen darfst.
- 05
Definier das Ende, bevor du anfängst
Kündigungsfrist, Übergabe-Umfang, Datenexport, Zugangsübergabe und Kosten der Übergabe gehören in den Vertrag. Frag, in welchem Format du Inhalte und Daten bekommst. Eine saubere Trennung verhandelt man am besten, wenn sich noch alle mögen.
Bei CR Interior liefen Buchung und Zahlung zu 100 Prozent in der Seite des Kunden, zweisprachig DE und EN. Der Kunde hält Domain, Hosting und Zahlungskonto selbst.
Kundenprojekt CR Interior Design, dokumentiert unter /kundenprojekte/cr-interior.
- Wem gehört die Website nach Projektende?
- Das steht nicht automatisch fest, es steht im Vertrag. Üblich und fair ist: Nach vollständiger Zahlung erhältst du ein umfassendes, übertragbares Nutzungsrecht an allem, was für dich gebaut wurde. Ausnahmen sind zugekaufte Lizenzen und eigene Bausteine der Agentur, die üblicherweise nur mitbenutzt, nicht übereignet werden. Lass dir diese Grenze konkret aufschreiben. Rechtsverbindlich prüft das ein Anwalt, nicht die Agentur und nicht diese Seite.
- Was mache ich, wenn die Agentur nach dem Livegang nicht mehr erreichbar ist?
- Das lässt sich vorher entschärfen, nicht nachher. Halte Domain, Hosting und alle Zugänge auf deinen Namen, lass dir nach Abnahme einen Export von Code und Inhalten geben und leg die Zugangsdaten selbst ab. Dann kann eine zweite Firma innerhalb weniger Tage übernehmen. Ohne Zugänge bist du auf Kulanz angewiesen, und Kulanz ist kein Vertragsbestandteil.
- Was kostet eine Änderung nach der Abnahme typischerweise?
- Das hängt vom Aufbau ab. Wenn du Texte und Bilder selbst pflegen kannst, kostet eine Textänderung nichts außer deiner Zeit. Für Änderungen an Struktur, Design oder Technik wird nach Aufwand abgerechnet. Frag nach dem Stundensatz, nach der Mindestabrechnungseinheit und nach der üblichen Reaktionszeit. Wichtiger als der Satz ist, dass er vorher genannt wird.
- Wer haftet, wenn die Seite ausfällt oder gehackt wird?
- In der Regel haftet der Hoster für die Infrastruktur, die Agentur für ihre Arbeit im vereinbarten Rahmen und du als Betreiber gegenüber Dritten. Frag konkret nach der zugesagten Reaktionszeit außerhalb der Bürozeiten, nach Backup-Rhythmus und Wiederherstellungszeit sowie danach, ob eine Berufshaftpflicht besteht. Lass dir auch sagen, wer im Ernstfall Zugriff auf den Server hat. Diese Punkte gehören in den Vertrag, nicht in eine E-Mail.
- Woran erkenne ich eine Agentur, die nach dem Launch bleibt?
- An drei Dingen. Erstens: Sie fragt nach deinen Zahlen, nicht nur nach deinem Geschmack. Zweitens: Sie nennt eine feste Ansprechperson mit Vertretung, nicht nur eine Sammeladresse. Drittens: Sie hat Kunden, die seit über einem Jahr da sind und die du anrufen darfst. Referenzen mit Namen und Live-Adresse sind belastbarer als Logos auf einer Wand.
- Sollte ich einen Vertrag anwaltlich prüfen lassen?
- Bei einem größeren Projekt lohnt sich das fast immer, besonders bei Nutzungsrechten, Haftung, Kündigung und Datenschutz. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach DSGVO ist Pflicht, sobald die Agentur Zugriff auf personenbezogene Daten hat, etwa über Formulare, Analytics oder ein CRM. Eine Prüfung kostet einen Bruchteil dessen, was ein verlorener Zugang später kostet. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung, sie sagt dir nur, wonach du fragen solltest.
SnapSite setzt Domain, Hosting und Zahlungskonto auf den Kunden, nicht auf sich selbst. Wer wechseln will, nimmt alles mit.
Wer diese Fragen gerade an mehrere Anbieter stellt, kann sie im Projekt-Gespräch auch hier stellen. Antworten kommen schriftlich.
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